KdM Mai 2026

Turm blauer Pferde, Franz Marc – Neuinterpretation von Chr. Goller

Der Turm der blauen Pferde war ein Gemälde des 1916 im Ersten Weltkrieg gefallenen expressionistischen Malers Franz Marc aus dem Jahr 1913. Es gehörte zu seinen bekanntesten Werken und gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab 1945 als verschollen.

Eine Gruppe von vier frontal übereinander gestaffelten Pferden in blauen Farbtönen mit nach links gewandten Köpfen auf mächtigen,fast lebensgroßen Leibern dominieren das Bild.  Am linken Bildrand schließt sich eine abstrahierte Fels-landschaft in Gelb-, Braun- und Rottönen an, die von einem orangefarbenen gestreiften Regenbogen auf gelbem Grund überwölbt wird.

Der Turm der blauen Pferde wurde im Juli 1919 von Ludwig Justi, dem Direktor der Nationalgalerie Berlin für 20.000 Reichsmark von Marcs Witwe Maria Marc erworben und hing im Berliner Kronprinzenpalais an hervorragender Stelle. Die Besucher der Olympischen Spiele 1936 konnten es noch sehen, 1937 wurde es abgehängt und im Schloss Niederschönhausen zwischengelagert, da die Nationalsozialisten auch Franz Marc als „entarteten Künstler“ diffamierten.  

Am 14. November 1937 wurde in einer Berliner Zeitung berichtet, dass die „Blauen Pferde“ devisenbringend in die Schweiz verkauft werden sollten.  In der entsprechenden Liste ist der „Turm der Blauen Pferde“ aufgeführt und mit 80.000 Reichsmark bewertet. Der letzte bekannte Besitzer war Hermann Göring, der das Gemälde nach seiner Entfernung aus der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 in München für seine Kunstsammlung vereinnahmte.

Das verschollene Bild wurde in den 1990-Jahren anhand von Recherchen und Fotos durch den bekannten Restaurator und Kunstmaler Christian Goller rekonstruiert und im linken Bereich des Gemäldes mit einer Landschaft erweitert- deshalb ist das Gemälde ein absolutes Unikum und ein KO-GINAL (Kopie und Original zugleich). Das Gemälde hängt in der Modernen Kunstausstellung in Marienloh und ist 200 × 130 cm groß.